3. Projektmanagement mit KI: Struktur, Klarheit und kreative Freiheit verbinden

Ein Online-Workshop von Magdalena Reiter, Designtheoretikerin an der Schnittstelle zwischen Technologie, Bildung sowie Kunst und Kultur

Wie lassen sich künstlerische Projekte strukturiert planen, ohne kreative Prozesse einzuengen? Der Workshop setzt an der Schnittstelle zwischen Kulturarbeit und Projektmanagement an – mit einem besonderen Fokus auf die Auswirkungen der Digitalisierung auf künstlerische und gestalterische Praxen. Anhand konkreter Methoden wird praxisnah gezeigt, wie KI-Tools im Projektmanagement als unterstützende Sparringpartner dienen können – für realistische Umsetzung und strukturiertere Planung, die Vermeidung häufiger Fehler durch wirkungsvolle Strategien und eine bessere Bewältigung typischer Herausforderungen im Kulturbereich.

Um welche KI-Tools geht es diesmal?

Chat GPT, Mistral, Gemini, Trello, Kanban

Zentrale Learnings

  • KI ist ein CO-Pilot, kein Autopilot.
  • Gute Arbeitsprozesse schlagen jedes Tool – klare Ziele und saubere Projektplanung sind wichtiger als die Wahl der KI.
  • Hybrid arbeiten funktioniert für Kulturprojekte am besten – strukturierte Planung trifft auf flexible, kreative Umsetzung.
  • KI denkt mit, wenn sie von uns richtig eingebunden wird – besonders hilfreich ist sie bei Zieldefinition, Zeitplanung, Risikoabschätzung und Reflexion.
  • Qualität und Vollständigkeit der Daten sind entscheidend.
  • Förderkontext beachten. Generische KI-Texte sind erkennbar – projektspezifische Anpassung ist essenziell.
  • Human-in-the-loop bleibt Pflicht – kritische Entscheidungen dürfen nicht automatisiert werden.

Ziele des Workshops

  • Konkrete Methoden kennenlernen, um KI sinnvoll ins Projektmanagement zu integrieren und kreative Prozesse sinnvoll zu unterstützen
  • Planung, Kommunikation und Entscheidungsfindung strukturierter organisieren
  • Risiken frühzeitig erkennen und besser einschätzen
  • Arbeitsprozesse im Team transparenter und effizienter gestalten
  • Eigene Projekte reflektierter umsetzen

Zusammenfassung der Veranstaltung

Video verfügbar

Für IGFT-Mitglieder auf Anfrage

Was ein Projekt ausmacht – und wieso das entscheidend ist

Ein Projekt ist ein klar abgegrenztes Vorhaben mit definiertem Ziel, begrenzten Ressourcen und einem Abschluss – etwa eine Ausstellung, ein Festival oder eine Produktion. Diese Abgrenzung ist im Kulturbereich zentral, weil Förderlogiken, Budgetplanung und Evaluation genau darauf aufbauen. Routineaufgaben wie laufende Buchhaltung, dauerhafte Social-Media-Arbeit oder wöchentliche Proben zählen somit nicht als eigenständige Projekte. Projektmanagement bedeutet dabei nicht nur Organisation, sondern die bewusste Steuerung von Zeit, Ressourcen und Entscheidungen. Viele Methoden stammen aus standardisierten Disziplinen – und genau auf diesen Logiken basieren auch die Vorschläge von KI-Systemen.

 

Projektphasen verstehen und sinnvoll nutzen

Klassischerweise ist Projektmanagement in 5 Phasen unterteilt: Initiierung: (Ideenfindung, Erstgespräche mit Kooperationspartner*innen), Planung (Zentrale Strukturierung), Umsetzung (Praktische Durchführung), Abschluss (Buchhaltung, Dokumentation), Reflexion/Nachbereitung (Separater Lern- und Auswertungsprozess nach Abschluss).

Je nach Projekttyp kommen weitere Phasen wie Tests oder Rollouts hinzu. Entscheidend ist: Diese Struktur schafft Orientierung – auch für den Einsatz von KI.

 

Hybrid arbeiten – Struktur trifft auf Offenheit

  • Klassischer Ansatz (z.B. Wasserfallmodell): klare Ziele, fixe Deadlines, lineare Planung
  • Agiler Ansatz: iterative Prozesse, Feedbackschleifen, Offenheit im Ergebnis, teamzentriert und flexibel

Für den Kulturbereich wird im Workshop für einen hybriden Ansatz plädiert, der Struktur und Flexibilität vereint: Es braucht ein konkretes Ziel und verlässliche Planung – in der Umsetzung erfordern Projekte jedoch Anpassungsfähigkeit. Gerade bei unterschiedlichen Arbeitsweisen lässt die Kombinierung beider Methoden durch hybrides Projektmanagement Kreativität zu, fördert Transparenz und eignet sich daher besonders gut für den Kulturbereich.

Es kann total hilfreich sein, wenn Arbeitskulturen aufeinandertreffen. (…) Und wenn sehr unterschiedliche Arbeitskulturen aufeinandertreffen hilft es, dass man Vorhaben formalisiert und auch ein bisschen transparenter macht durch Projektmanagement. Und das wird euch wahrscheinlich häufig treffen, wenn es externe Anforderungen gibt.
Magdalena Reiter

 

KI in der Projektentwicklung und konzeptionellen Zielklärung

KI eignet sich hervorragend, um vage Projektideen zu schärfen und kann eine große Unterstützung bei der Präzisierung von Zielgruppen, Konkretisierung von Terminen und Formulierung eines realistischen Zeitrahmens sein. Am Ende der Initialisierungsphase lässt sich die SMART-Methode wunderbar einsetzen, um komplexe Projektabläufe auf einer Zeitachse sichtbar zu machen eignet sich ein Gantt-Diagramm.

 Die SMART-Methode: Spezifisch, Messbar, Attraktiv, Realistisch, Terminiert

  • Gantt-Diagramm: visualisiert unterschiedliche Projektphasen (Konzeption, Förderung, Umsetzung, Kommunikation, Nachbereitung). Es zeigt Abhängigkeiten (Pfeile) und Pufferzeiten, markiert Meilensteine (Rauten) und macht Überlappungen sichtbar. Projekte können so laufend auf ihre Realisierbarkeit unter den vorgegebenen Parametern geprüft werden und die KI kann an fehlende Schritte erinnern, andere Projektphasen vorschlagen oder auf typische Vorlaufzeiten aufmerksam machen.

KI-Praxis-Tipps:

  • Im Gantt-Diagramm unbedingt Pufferzeiten für Unvorhergesehenes einplanen & wichtigste Projektphasen im Zeitplan berücksichtigen!
  • KI-Outputs nie blind übernehmen – stattdessen als Versatzteile kritisch nutzen & anpassen!
  • Die Visualisierung selbst sollte flexibel bleiben – etwa in Tabellen oder analogen Tools – sodass Anpassungen jederzeit möglich sind. Wiederkehrende Formate profitieren von Vorlagen, die mehrfach adaptierbar sind.
  • … weitere Praxistipps gibt’s in der ganzen Veranstaltung!

 

„ Man muss das Rad nicht immer neu erfinden, sondern man kann sich so ein Set zusammenbauen und die Sachen dann immer wieder verwenden. (…) Es ist immer besser, wenn man auf Tools zurückgreift, die man tatsächlich verändern kann. Denn im Projektmanagement verändern sich Dinge, vor allem im Zeitplan verändert sich auch immer irgendwas. Und dann kann ich so ein Post-It nehmen oder ich kann in einem Google-Sheet dann nochmal die Adaptierung machen.“
Magdalena Reiter

 

 

KI als Analyse-Tool – Wodurch wird ein Projekt beeinflusst?

 Besonders stark ist KI in der strukturierten Analyse komplexer Zusammenhänge.

Die KI weiß ganz genau, was es zu tun hat, wenn es um Projektmanagement geht. Das ist wirklich fantastisch.“
Magdalena Reiter

 

  • Budgetplanung: KI eignet sich als Ergänzung, um Kosten gegen zu checken, Prozesse zeitlich abzuschätzen und nichts zu vergessen. Sie hilft bei zeitlichen Einschätzungen und liefert nützliche Erinnerungen (zB. Veranstaltungsversicherung).
  • Stakeholder-Analyse: KI hilft besonders bei der systematischen Identifikation von Akteur*innen mit Einfluss aufs Projekt, z.B.: Publikum, Fördergeber*innen, Mitarbeiter*innen, Kooperationspartner*innen, Technik, Verwaltung, interne und externe Beteiligte, Presse, politische Entscheidungsträger*innen). Darauf aufbauend kann sie diese kontextuell einordnen und gezielte Strategien ableiten – besonders für neue Projekte ist das ein großer Vorteil.

KI-Praxis Tipp:

Besonders effektiv ist ein iteratives Arbeiten mit Feedback an die KI statt eines „Alles auf einmal“-Prompts – also Schritt für Schritt mit dynamischer, kontinuierlicher Verbesserung.

„ Wenn man schon seit 30 Jahren in der gleichen Veranstaltungsstätte ist, wird man vielleicht nicht ganz so viel rausziehen können, aber wenn man ein ganz neues Terrain betritt, dann auf jeden Fall!“
Magdalena Reiter

 

Risikomatrix

Die Risikomatrix visualisiert und bewertet Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadensausmaß von potentiellen Risiken bei der Projektumsetzung. Nach Identifikation und Bewertung werden Maßnahmen zur Minimierung festgelegt (z.B. Projektstart verschieben oder Pufferzeitraum einplanen). KI liefert oft realitätsnahe Szenarien, Risikolisten und Priorisierungen und schlägt konkrete Präventionsmaßnahmen vor. Typische Risiken im Kulturbereich sind zB. verzögerte Förderzusagen, Ausfälle, geringe Teilnahme oder technische Probleme.

 

Methoden zur Arbeitsorganisation und Prozessreflexion

  • Kanban: Hilfreiche Visualisierung konkreter Arbeitspakete/Tasks in drei Spalten: To-Do, Doing, Done.
  • Wichtig: Erledigtes nicht löschen – es schafft Transparenz über bereits Geleistetes und dient als Grundlage für zukünftige Projekte. Kanban eignet sich besonders für ehrenamtliche oder gemischte Teams, funktioniert analog (Post-Its an der Wand) und digital. Trello bietet ein einfaches Kanban-Board, ist in kleinem Team umfassend nutzbar (und teilweise gratis), Aufgaben können per Drag & Drop verschoben und aus vergangenen Projekten recycelt werden. Asana ist eine Alternative.

 

KI-Praxis-Tipps:

Farbcodes für unterschiedliche Bereiche/Verantwortliche, kurze regelmäßige Kanban-Meetings und präzise Formulierungen („Presseaussendung schreiben“ statt „Kommunikationsarbeit“).

 

Lernen durch Retrospektiven

 „ Retros, die man öfter macht, verändern tatsächlich die Zusammenarbeit immens.“
Magdalena Reiter

 

Retrospektiven sind eines der wirkungsvollsten Lernformate für eine nachhaltige Verbesserung der Zusammenarbeit. Sie ermöglichen ehrliche Reflexion und konstruktive Diskussion ohne Schuldzuweisungen, gemeinsame Analyse von Stärken und Problemen und die konkrete Ableitung von Verbesserungsvorschlägen. Sie können nach Projektabschluss oder wichtigen Phasen durchgeführt werden – aber je regelmäßiger sie stattfinden, desto wirkungsvoller sind sie. KI kann hierbei bei der Entwicklung von Leitfragen und Moderationsleitfäden, Strukturierung von Feedback und Dokumentation und Aufbereitung der Ergebnisse unterstützen. Entscheidend ist die konsequente Umsetzung der Erkenntnisse durch konkrete Maßnahmen im nächsten Projekt. Bei größeren Projekten kann eine externe Moderation sinnvoll sein, initiiert werden sollten Retros von Personen in Leitungspositionen.

Wichtig: Keine Hierarchien in der Retro und Methoden immer auf das Team abstimmen!

 

Daten, Verantwortung und Förderrealität

Der Einsatz von KI bringt viele Herausforderungen mit sich – Datenqualität sichern, Datenschutz einhalten, Bias prüfen und kritisch reflektieren. Im Förderkontekt gilt: KI-formulierte Texte müssen immer individuell angepasst werden, Budgets und Argumentationen erfordern immer eigene Kenntnisse. Kurz gesagt – KI ist ein unterstützendes Tool, kein Ersatz.

 

Ausblick & Fazit – Struktur als Grundlage für kreative Freiheit

KI-gestütztes Projektmanagement heißt nicht: Automatisierung um jeden Preis. Der größte Mehrwert liegt darin, Denken und Kommunikation zu strukturieren, Risiken früher zu erkennen und Zeitrahmen realistischer zu planen, blinde Flecken sichtbar zu machen und Prozesse transparenter zu leiten. Wir dürfen der KI nicht vertrauen, wir können aber dialogisch mit ihr arbeiten – zB. indem wir Outputs kritisch prüfen. Für den Kunst- und Kulturbereich entsteht dann ein entscheidender Vorteil, wenn Struktur kreative Freiheit ermöglicht, statt sie einzuschränken.

Der vollständige Workshop von Magdalena Reiter lohnt sich, wenn Du KI nicht nur benutzen, sondern dich zu weiteren KI-Anwendungen im Projektmanagement noch ausführlicher informieren und sie wirklich verstehen willst – von der Erstellung einer Stakeholder- oder Risikomatrix hin zu weiteren Nutzungsmöglichkeiten, als technologisches Werkzeug, kulturelle Praxis und gesellschaftliche Herausforderung!

Kontaktdaten:

Magdalena Reiter
https://www.magdalenareiter.at